Tatort München

Gepostet von in Ausstellungsbesuch

Es ist Samstag, der 27. Februar 2016. Die Sonne scheint und bereits morgens stand der Entschluss fest ins Museum zu gehen. Genauer gesagt ins Stadtmuseum München. Noch bis zum 29. Mai 2016 wird hier die Sonderausstellung „Gretchen mag’s mondän –Damenmode der 1930er Jahre“ gezeigt. Jegliche Form der Dokumentation der Ausstellung während des Museumsbesuches ist untersagt. Aufgrund dessen können keinerlei Fotos vom ‚Tatort‘ in diesem Beitrag gezeigt werden. Die knirschende Treppe passiert, offenbart sich hinter einer Glastür der Beginn der Ausstellung: Presseberichte, Mode Illustrationen, Titelseiten von Modemagazinen und Modezeichnungen rund um die dreißiger Jahre in Deutschland sind zu erahnen. Über die Präsentation jeglicher Abbildungen von Mode in den dreißiger Jahre soll der Raum wohl thematisch in die kommende Ausstellung einleiten.  Nachdem der erste Raum passiert war, gelangte ich in den eigentlichen Teil der Ausstellung. Ich bin gespannt auf die gezeigten Kleidungsstücke und ihre Inszenierung. Hinter Glas stehende Büsten präsentieren Kleidungsstücke der dreißiger Jahre aus vergangenen Tagen. Die Beleuchtung ist schummrig und erzeugt ein Licht, das die Farben der Kleidungsstücke nur schwer erkennen lässt.

Auf der Homepage des Stadtmuseums verrät der Begleittext, dass insgesamt circa 150 Kleidungsstücke gezeigt werden. Darüber hinaus werden diverse Accessoires wie Pelze, Schuhe, Taschen, Hüte, Schals, Tücher, Handschuhe, Schmuck bis Schmink-Utensilien in Glasvitrinen präsentiert. Die ausgestellten Kleidungsstücke werden in verschiedene Themenbereiche wie Tages- und Abendmode, Sportbekleidung und Tracht, Brautkleider, Morgentoiletten und Negligés unterteilt. Viele Details der Kleidungsstücke laden zu einer genaueren Betrachtung ein – leider vergebens. Die Spiegelung in den Glasscheiben und die schummrige Beleuchtung verhindern einen zu interessierten freien und scharfen Blick. Interessant fand ich, dass viele Schnitte und Farben der heutigen Mode sehr ähneln. Ein gezeigter Sportblouson der Firma Bogner könnte direkt in ein heutiges Warensortiment übernommen werden. In einem Raum der Ausstellung zeigen Schüler*innen der Deutschen Meisterschule für Mode ihre Interpretation von der Damenmode der dreißiger Jahre. Die gezeigten Kreationen sind nicht hinter einer Glasscheibe verborgen, sondern werden an aufgehängten Büsten präsentiert. Zudem werden Illustrationen der Schüler*innen ausgestellt. Das Papier scheint Stückweise der Feuchtigkeit zum Opfer gefallen zu sein. Die Ränder wellen sich leicht und auch die Beschreibungen sind wie zufällig an der Wand platziert.

Damenmode der dreißiger Jahre in Deutschland kann nicht ohne den politischen Hintergrund der Nationalsozialisten und das damals vorherrschende Frauenbild thematisiert werden. Die Ausstellungstexte verdeutlichen den Widerspruch zwischen Mode, als transkulturelles Phänomen und dem propagierten Gedankengut der Nationalsozialisten. Sie benennen weiterhin den Prozess der „Arisierung“ in deutschen Firmen zu Zeiten des Nationalsozialismus. Trotz der nationalistischen Propaganda wurde Mode aus anderen Ländern, vorwiegend aus Paris, in Deutschland getragen. Die Erklärung dazu lautet, dass der Wille der Frauen, sich modisch zu kleiden, stärker gewesen sei, als der Druck des damaligen Regimes. Dies kann doch als sehr einseitig aufgefasst werden. Streift die Argumentation doch gefährlich nahe ein sehr klischeebehaftetes Frauenbild, dass die weibliche Priorität im Bereich der eigenen Inszenierung durch Mode setzt.Was hätte Gretchen wohl dazu gesagt?

Mit dieser Ausstellung hat das Stadtmuseum zum ersten Mal seine Modesammlung der dreißiger Jahre präsentiert. Auf der Homepage ist zu lesen, dass die Kleidungsstücke aufwendig restauriert wurden – Schade, dass aufgrund der Inszenierung so viele Details nicht zu erkennen waren.