Möge die Macht mit dir sein

Gepostet von in Ausstellungsbesuch

Die Popkultur-Ausstellung „Star Wars Identities“, die noch bis zum 16. April in der MAK-Ausstellungshalle in Wien zu sehen sein wird, beschäftigt sich mit der Frage: Welche Mächte formen Dich? Mit Hilfe des multimedial aufbereiteten Star Wars-Universums können Besucher*innen ihre eigene Identität ergründen und mit den Identitäten der Star Wars-Charaktere spielen. Ziel der Ausstellung ist es, den Besucher*innen durch ausgeklügelte Technologie zu ermöglichen, ihre eigene, individuelle Star Wars-Persönlichkeit zu entwickeln. An zehn verschiedenen Stationen sollen Elemente der eigenen Identität mit fiktionalen Elementen aufgeladen werden. Am Ende ihres Besuchs sollen die Austellungsgänger*innen einen eigenen Star Wars-Charakter erschaffen haben.

Gemeinsam mit Freunden habe ich mich auf die Suche nach meiner Identität und den Mächten, die mich formen begeben. Die Tour beginnt mit dem Erhalt der für die Ausstellung benötigten Technik durch das Personal. Es gibt einen Audioguide sowie ein Funk-Armband, das im weiteren Verlauf für die Nutzung der zehn interaktiven Stationen wichtig sein wird. In einem kurzen Video erklärt Meister Yoda, was in der Ausstellung auf die Besucher*innen wartet. Die Kleinkinder, die neben uns stehen, wirken irgendwie überfordert und bleiben dicht bei den Eltern stehen. Im weiteren Verlauf der Ausstellung fällt immer wieder auf, dass jüngere Kinder ziellos durch die Ausstellung laufen und mit den Stationen nicht sehr viel anfangen können. Für sie sind eher die in großen Schaukästen präsentierten Figuren und Kostüme, Fotografien, Designobjekte und Skizzen des Filmphänomens Star Wars interessant.

Jede/r Besucher*in entscheidet sich durch das Anlegen des Armbands an einen Fixpunkt zu Beginn für eine Star Wars-Figur, die beim Gang durch die Ausstellung an den Terminals modifiziert wird, indem Fragen zur eigenen Biographie, Identität und Charaktereigenschaften beantwortet werden. Die Stationen dienen auch als roter Faden, der durch die Ausstellung führt. Ich möchte ein Ewok-Mädchen sein… Die kommenden 90 Minuten sind wir also damit beschäftigt uns einerseits Informationen über die Star Wars-Charaktere durchzulesen und über den Audioguide anzuhören, andererseits  werden wir aktiv und entwickeln einen Avatar mit eigener Persönlichkeit. Auf Bildschirmen verdeutlichen Kurzfilme, wie Ursprung (Spezies, Gene, Eltern, Kultur), Einflüsse (Mentoren, Freunde, Erlebnisse) und Entscheidungen (Beschäftigungen, Persönlichkeit, Werte) an der Entwicklung unserer Identität beteiligt sind.

„Die Weltraum-Saga beschäftigt sich mit den weltweiten Parallelen von Mythen, Märchen, Geschichten und Ritualen, in denen es letzten Endes um die Identitätsfindung geht. Die Ausstellung bietet hierzu viele Denkansätze. Grund dafür ist ein ExpertInnen-Team aus den Bereichen Psychologie, Neuropsychologie, Biochemie und Genetik (…).“¹

Der Ansatz, ein Filmphänomen wie Star Wars, das ältere und jüngere Generationen gleichermaßen anspricht, mit neuropsychologischen und kulturwissenschaftlichen Erkenntnissen über die Entstehung von individueller Identität zu einer  Ausstellung zu verbinden, hat mich vor meinem Besuch sehr gereizt. Am Ende müssen sich die Besucher*innen vor einer Trennwand entscheiden, ob sie der hellen oder dunklen Seite der Macht angehören wollen und dies wieder mit dem Funk-Armband bestätigen. Auch wenn ich mich doch eher für ein friedliches Ewok-Mädchen halte, interessiert mich die visuelle Umsetzung der dunklen Seite der Macht in der Ausstellung. Viel passiert jedoch nicht mehr. Auf riesigen Leinwänden erscheinen die geformten Charaktere (mein Ewok-Avatar ist von der dunklen (roten) Macht umgeben) und wer mag, darf sich seinen Charakter samt Identitätsprofil per Email schicken lassen.

Eine Filmausstellung, in der es nicht nur um das zur Schau stellen originaler Artefakte geht, sondern um den Zusammenhang realer Persönlichkeitsentwicklung und der Entwicklung von Filmcharakteren, die daran angelegt sind, war ein für mich neuer Zugang. Jedoch sind die multimedial vermittelten “neuen“ Denkansätze zur Identitätsfindung leider sehr oberflächlich geblieben und trotz des Bewusstseins dafür, dass die Ausstellung auch für Familien mit jüngeren Kindern, sowie Jugendliche konzipiert wurde, habe ich die Ausstellung etwas ratlos verlassen. Der Eindruck, einen von Reizüberflutung geprägten Freizeitpark verlassen zu haben, bestätigte sich noch einmal durch die direkte Weiterleitung in den Ausstellungs-Shop, in dem unter anderem ein Laserschwert für 300€ hätte erworben werden können. Nein, danke. Aber für 25 Euro Eintritt hätte ich gerne ein Foto oder ein Poster meines entwickelten Charakters mitgenommen und war mit diesem Wunsch auch nicht alleine.

¹http://www.mak.at/jart/prj3/mak/main.jart?content-id=1343388632770&rel=de&article_id=1440676179366&event_id=1440676179367&reserve-mode=active