Ein (Jahr) Blog-Projekt. (K)ein Abschiedsbeitrag.

Gepostet von in Nachgefragt

Nach einem Jahr neigt sich nun der universitäre Teil des Blog-Projekts “exhibition_ismus” dem Ende zu. Während des vergangenen Sommer- und Wintersemesters haben wir uns als Gruppe gefunden, erste Ideen für die Umsetzung des Blogs gesammelt, ein Konzept geschrieben und letztendlich auch das Blog ins Leben gerufen und wöchentlich mit Inhalten gefüllt, sowie mit dem Ausstellungsteam von “Offen gefragt!” kooperiert. Wir freuen uns sehr über das vorläufige Endprodukt, schauen gerne den Verlauf der Beiträge durch, sind stolz auf positives Feedback, das uns erreicht hat und haben viele das Blog betreffende neue Erfahrungen gemacht.

Wie ist das persönliche Empfinden zur einjährigen Projektarbeit?

Imke: Während des Projekts habe ich auf jeden Fall zu schätzen gelernt, welche Freiheiten wir bei der Umsetzung des Blogs hatten. Feedback hier und da wäre schön gewesen, um sich noch zu verbessern, aber wir waren komplett frei und konnten unsere Vorstellungen umsetzen. Scrolle ich durch das Blog, breitet sich schon Stolz aus. Es ist ein wunderschönes Endergebnis und mir hat die Zeit echt Spaß gemacht. Aber ich bin auch froh, wenn der stressige Job zu diesen (Arbeits-)bedingungen erstmal vorbei ist. Als Team haben wir super funktioniert, aber das Projekt war eben auch ein knappes Jahr lang immer im Hinterkopf.

Lou: Ich bin fast ein bisschen traurig, es war sehr schön, das Blog zu betreiben. Nun müssen wir uns ganz neu damit beschäftigen, inwiefern wir den Blog weiter betreiben wollen und auch Gast/autor*innen mit ins Boot holen. Könnte ich nur ewig weiter dafür Kreditpunkte bekommen! Ich bin sehr zufrieden, was wir aus dieser kleinen Idee, ein Blog zu machen, entwickelt haben. Auch, wenn ich mich an einigen Stellen vollkommen überarbeitet habe. Aber es hat mir außerordentlich viel Spaß gemacht und ich freue mich jedes mal, wenn ich das Blog aufrufe.

Marianne: Den aktuellen Stand, den unser Blog hat, finde ich als vorläufiges Endprodukt wirklich unglaublich schön. Auch wenn die Möglichkeit besteht, den Blog weiter zu betreiben, zu gestalten und zu modifizieren, ist die visuelle Grundlage sowie auch der entstandene Textpool für mich ein wirklich rundes Ergebnis, an dem ich gerne gearbeitet habe. Die uns gelassene Freiheit seitens der Universität, unsere Vorstellungen umsetzen zu können, hat auf jeden Fall zum Gelingen des Projekts beigetragen. Ja, mehr direkte Kritik und Feedback wären wünschenswert gewesen, da es uns sicher noch mehr angetrieben hätte, aber das ein selbst organisiertes studentisches Projekt so erfolgreich umgesetzt werden konnte, ist ein gutes Gefühl.

Jessica: Die Museumslandschaft war für mich bisher ein nicht fremdes, aber aus einer wissenschaftlichen Perspektive neues Feld. Deshalb fand ich auch das Medium Blog sehr passend. Es gab einem die Möglichkeit, verschiedene Zugänge und Formen auszuprobieren und sich so individuell das Feld Museum und Ausstellung erschließen zu können. Das Medium Blog gab mir die Freiheit, diverse Stile und Praktiken des wissenschaftlichen und künstlerischen Arbeitens und auch des Journalismus auszuprobieren. Ich habe das Gefühl, jetzt eine gewisse Geradlinigkeit in meinem Schreibstil gefunden zu haben und finde es daher schade, dass das Projekt nun zu Ende geht. Denn es ist schon etwas anderes, auf einem Blog zu veröffentlichen, als intern am Institut Arbeiten abzugeben.

Was wurde als positiv, was als negativ empfunden?

Marianne: Für mich war es besonders wichtig und somit auch sehr positiv, an einem Projekt zu arbeiten und dies zu realisieren, welches einen Aktualitätsbezug zu gesellschaftlich relevanten Fragen thematisiert. Fragen, die sich auf die Museumslandschaft und ihr Kommunikationsmedium Ausstellung beziehen, dessen Verknüpfung mit dem virtuellen Raum im Fokus haben und sich mit Lösungsansätzen dieses Zusammenschlusses beschäftigen. Ein wenig bedaure ich, dass ich nicht die Zeit gefunden habe, mich mit Theorien und Strömungen des Ausstellungswesen in einem Maße zu beschäftigen, wie ich es gerne getan hätte. Aber ich bleibe dran!

Lou: Ich hatte sehr viel Spaß dabei, mich damit zu beschäftigen, wo Ausstellungen hin gehen könnten, welche Chancen und Grenzen es im Ausstellungswesen, gerade im Bezug auf den virtuellen Raum, gibt. Gerade im Bereich von Videospielen gibt es noch sehr wenig Forschung, von Videospielen in Museen ganz zu schweigen. Daher fand ich es sehr spannend, überhaupt mal ein Spotlight auf einen solchen Bereich zu werfen. Schade fand ich, worüber ich alles nicht geschrieben habe, weil ich einfach nicht die Zeit und Möglichkeiten für eine eingehende Recherche hatte. Zum Beispiel hätte ich gerne über Virtual Reality in Museen geschrieben – ein Bereich, bei dem sich ein ganz neues Spiel mit Materialitäten und Möglichkeiten ergibt, Computermuseen und die Frage, wie der virtueller Raum archiviert werden kann.. es hätte es noch einiges gegeben, worüber ich gerne geschrieben hätte.

Welche Beiträge stechen besonders hervor?

Imke: Ich mochte visuell sehr gerne alle Beiträge aus Prag; die Fotos aus dem Messepalast und auch die Ausstellung im öffentlichen Raum wirkten auf mich sehr beeindruckend. Die Ausstellungen hätten mich alle auch selbst interessiert und daher habe ich die Beiträge gerne gelesen. Außerdem war die Aufbereitung des Videospiels großartig. Man erkennt die Mühe, die in diesem Beitrag steckt und die detailgetreuen Zeichnungen finde ich wirklich wahnsinnig gut. Allgemein finde ich es sehr schön zu sehen, welche individuellen Schwerpunkte wir jeweils haben. Als gemeinschaftliche Beiträge gefallen mir außerdem diejenigen zu unserem Besuch in der Kunsthalle Bremen und der dortigen Ausstellung von Thomas Hirschhorn.

Jessica: Ich habe mehrere Lieblingsbeiträge. Zum Beispiel die Beiträge zur Kunsthalle Bremen, die wir gemeinsam vorbereitet haben. Spannend fand ich auch den Beitrag “The Stanley Parable”, weil dieser ein für mich bisher unbekanntes Feld aufgreift. Den früh entstandenen Beitrag Gedichte über Mailand oder auch den Beitrag “Die Stadt als Bühne für Kunst” habe ich sehr gerne gelesen. Die Beiträge über die Ausstellung “Offen gefragt! Wovon Ausstellungen sonst nicht sprechen” haben mir besonders viel Freude bereitet.

Was hat sich an der Rezeption von Ausstellungen verändert?

Marianne: Meine Rezeption von Ausstellungen bzw. ihren Inhalten hat sich dahingehend verändert, dass ich mit einem Blick durch Ausstellungsräume und -orte gehe, der sehr medial geprägt ist. Beispielsweise ob Fotos, die ich während meines Aufenthalts mache, auch geeignet sind für das Blog oder Social Media-Kanäle. Die Ästhetik des Raumes spielt schon eine entscheidende Rolle bei meiner Rezeption von Ausstellungen.

Lou: Bei mir sieht es ähnlich aus, ich beziehe immer mehr den ganzen Raum mit ein und Frage mich nach der Ausstellungskonzeption. Jedes mal, wenn ich jetzt in Ausstellungen gehe frage ich mich zum Beispiel, was für autoritäre Gesten vorhanden sind, was passiert, wenn ich mich dagegen richte? Dadurch bekommen Ausstellungen einen spielerischen Charakter.

Imke: Durch die Hintergrundinformationen, die wir inzwischen zu Ausstellungsentstehung und deren Rahmenbedingungen haben, bin ich irgendwie gnädiger in der Beurteilung von Ausstellungen geworden. Eine Zeit lang bin ich sozusagen überkritisch in Museen gegangen, habe überall theoretische Maßstäbe angelegt und vieles abgewertet, insbesondere die Texte. Man kann aber nicht alles an Parametern festmachen, sondern muss auch offen bleiben.

Jessica: Mir geht es da ähnlich wie Imke. Die Differenz zwischen theoretischer Praxis und Machbarkeit in der Umsetzung hat mich zum Nachdenken gebracht. Kritische Theorie ist gut und notwendig um die alltägliche Praxis in Museum zu verändern und voran zu treiben. Allerdings kann Theorie auch den Blick verengen und dazu führen, wichtige Details aus den Augen zu verlieren. Damit meine ich, auch im Blick zu behalten, was in spezifischen Fällen durch die Umsetzung von Theorie in Praxis verloren gehen kann.

Feedback zur Ausstellung “Offen gefragt!”

Marianne: Eine visuell sehr ansprechende und minimalistisch/ modern gestaltete Ausstellung. Schöne Materialien und Farbgebungen und ideale Räumlichkeiten. Die Fragestellungen habe ich als inspirierend und leicht zugänglich empfunden. Leider ist es an vielen Punkten aber auch bei der offenen Fragestellung geblieben. Die Ausstellungsmacherinnen hätten sich vielleicht hier und da auch noch einen kritischeren Zugang zu ihren Themenschwerpunkten und deren Aufarbeitung gewünscht.

Imke: Ich liebe das Bauwerk und ich finde, es passt super zu dem Thema der Ausstellung. Organisatorisch hat das Ausstellungsteam richtig was auf die Beine gestellt, auch die Begleitveranstaltungen waren toll. Ich glaube trotzdem, dass die Studentinnen vielleicht manchmal noch zu klassisch unterwegs waren und zu wenig “offengelegt haben, wovon Ausstellungen sonst nicht sprechen.” Verstehen kann ich aber auch hier die geleistete Arbeit vor dem Hintergrund der Rahmenbedingungen. Das Team hat alles selbst organisiert und das Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen.  Aber so “anders” als bisherige Ausstellungen war es nicht.

Lou: Ich hatte viel Spaß in der Ausstellung und fand die Idee toll umgesetzt. Aber ich hätte mir mehr Queerness gewünscht. Der Punkt fehlte mir trotz eines tollen Rahmenprogramms mit Oliver Klaassen doch sehr. Zwar ist diese Ausstellung, gemessen an anderen, schon ein ganzes Stück weiter bei dem fundamentalen Mitdenken queerer Positionen, aber trotzdem wäre mehr möglich gewesen.

Jessica: Ich fand den gewählten Raum zu der Ausstellung sehr passend und fand es besonders spannend, den Prozess der Entwicklung einer Ausstellung mitverfolgen zu können. Spannend auch deshalb, weil wir einerseits als Gruppe Beteiligte des Prozesses waren, andererseits aber auch Außenstehende mit einem ‘eigenen’ Projekt. Dadurch haben sich interessante und neue Blickwinkel ergeben. Auch hier ist die Problematik zwischen theoretischer Anforderung und Machbarkeit in Bezug auf die praktische Umsetzung sichtbar geworden.

Vielen Dank an unsere Leser*innen!