Die Relevanz der Ausstellung: Interview Part 3

Gepostet von in Nachgefragt

In den letzten beiden Beiträgen Wie siehts aus beim Ausstellungsteam? Part 1 und Wie siehts aus beim Ausstellungsteam? Part 2 konntet ihr den Status Quo erfahren und die derzeitige Stimmungslage der Ausstellungsmacherinnen. Es ging nochmals um die Auswahl des Raumes und dessen Relevanz für das Vorhaben. In diesem Beitrag geht es konkreter um die Objektwahl auf der einen, ihre Einbindung in den Ausstellungsablauf und die möglichen Vermittlungsprogramme, die für Schulklassen oder andere Gruppen angeboten werden könnten auf der anderen Seite.

Fragt man die „Offen gefragt“- Macherinnen nach ihrem absoluten Traumobjekt, wenn sie bekommen könnten, was immer sie sich wünschen, so sind sie sich ziemlich einig: „Ein Original-Banksy“ sollte es dann sein, noch besser wäre das Ganze natürlich, wenn der geheimnisvolle Künstler einfach selbst vor Ort wäre und irgendwie den Ausstellungsraum auch als Aktionsraum nutzen würde. Ein Banksy-Motiv wird aber auch ohne ihn persönlich in die Ausstellung integriert werden. Das Motiv darf zwar nicht verändert und muss kenntlich gemacht werden, aber auf diese Maßgaben kann gut Rücksicht genommen werden. Eine der Ausstellungsmacher*innen hat sich eine Reihe des Künstlers zum Thema gemacht. Gerade für sie wäre ein Original sehr reizvoll. Aber nicht zwangsläufig notwendig. Ansonsten ist das Team ziemlich zufrieden mit seinen Objekten und findet sie alle gut, so wie sie sind. Bei einigen fehlt es allerdings noch an Zusagen oder Kontakten. Trotzdem: Es gab auch schon Erfolgserlebnisse. Eine Anfrage bei einem Modedesigner-Pärchen aus München wurde belohnt. Das angefragte Objekt wird zur Verfügung gestellt, weil die beiden gerne ein universitäres Projekt unterstützen möchten. Sie bräuchten nur die Termine, die vertraglichen Vorgaben und dann kann das Ausstellunsgteam bald auch mit dem realen Objekt im Ausstellungsraum agieren und herum probieren. Außerdem gibt es in Berlin ein Projekt in Museen, welches sich „Neuzugänge“ nennt. Auch darüber konntet ihr bereits hier Das virtuelle Migrationsmuseum und hier Migration im Museum lesen. In „Neuzugänge“ werden bereits im Depot gelagerte Objekte neu gesichtet, neu einkategorisiert und für vielfältige Ausstellungsthemen bereitgestellt. Aus diesem Projekt wird auch ein Objekt zur Verfügung stehen, die Zusage ist fest.  „Ich habe dann gar nicht weiter über mögliche Traumobjekte nachgedacht. Das waren für mein Thema eigentlich schon meine Traumobjekte!“.

Wir graben etwas tiefer und fragen, ob sich an den Zielsetzungen, den Hoffnungen und dem Konzept für die Ausstellung, noch etwas verändert hat. Es wird immer konkreter, der Eröffnungstermin rückt näher: Sind Verschiebungen entstanden? Wurden Pläne über den Haufen geworfen?

Etwas deutlicher als vor einigen Wochen noch, wird dem Ausstellungsteam bewusst, wieso es sich eigentlich für dieses spezielle Thema entschieden hat. Monatelang haben sich die Studentinnen in Seminaren und Lektüreeinheiten mit der kritischen Museologie beschäftigt – jedoch meist nur auf der theoretischen Basis. Geht es an die praktische Umsetzung, so kommen ganz andere Fragen und Hindernisse auf. Diese Lücke, die Diskrepanz zwischen dem, was theoretisch möglich und interessant wäre, und dem, was häufig im Museumsalltag geschieht, wird den Studentinnen immer bewusster und soll jetzt zum Thema werden. Es soll ein Blick dafür geschaffen werden, dass häufig Dinge lieber vergessen gemacht werden, statt sie offensiv zu thematisieren. Dass Schwierigkeiten anerkannt und benannt werden müssen, statt sie zu verneinen. „Das war und ist unser Grundgedanke, aber eigentlich ja auch die Relevanz eines solchen Vorhabens. Es ist ein bisschen der Versuch, die Lücke zu schließen. Obwohl das ein sehr hoher Anspruch ist. Vielleicht trifft es auf die Lücke aufmerksam machen schon eher“.

Die Verankerung der Ausstellung im universitären Kontext bietet Sicherheit. Keine der Ausstellungsmacherinnen muss Angst haben, gegen ein museales Leitbild zu verstoßen oder einen Vorgesetzten zu verägern, wenn sie in ihrem Ausstellungsensemble vermehrt kritisch vorgeht oder im Gespräch mit Besucher*innen preisgibt, was eventuell auch schief gelaufen ist. Es ist nunmal nicht so einfach, eine institutionskritische Sichtweise einzunehmen, wenn man in eben dieser arbeitet.  Natürlich – auch die Universität ist eine Institution mit teilweise recht unflexiblen Strukturen, aber gerade deshalb ist es vielleicht auch logisch, so meint das Ausstellungsteam, dass eine solche Ausstellung aus der Uni heraus entsteht. „Genau das ist doch das Vorhaben: Eine Institution ein bisschen zu testen, sie herauszufordern…“. Nach kurzem Nachdenken fügt eines der Mädels hinzu: „Vielleicht hat Oldenburg das auch ein bisschen nötig.“

Ein anderes großes Feld in der Ausstellungskonzeption ist das Thema Vermittlung. Wird es ein Programm geben? Wer plant das? Wer setzt es um? Eine Zeit lang galt das Erstellen eines Vermittlungskonzepts eher als optional. Nur wenn auch genügend Zeit und Ideen zur Verfügung stünden, würde man sich diesem Thema widmen. Doch die Studentinnen wissen, so langsam müssen sie sich entscheiden: Machen wir es oder nicht? Denn so viel Zeit ist jetzt nicht mehr und es ist wichtig zu wissen, ob nur die Ausstellungsmacher*innen selbst Führungen geben möchten, oder ob dafür auch noch Externe engagiert werden sollen. Diese bräuchten dann ein sehr exaktes Briefing und ein Konzept für die Vermittlung. „Was für mich nochmal eine ganz andere Dimension bekommen hat, ist die Tatsache, dass es womöglich Schulklassenführungen geben soll. Wenn ich mir vorstelle, da stehen 30 junge Menschen vor mir und ich soll die Ausstellung mit ihnen zusammen ergehen… Da muss man sich doch nochmal ganz anders rechtfertigen.“ Den thematischen Schwerpunkt eines möglichen Vermittlungsprogramms sehen die Studierenden aber auch nicht in der klassischen Wissensvermittlung, sondern eher im Schulen von Medienkompetenz. Was sagt mir die Ausstellung mit welchen Mitteln und eventuell aus welchen Gründen und aus welcher Position heraus? Vielleicht gibt es da Möglichkeiten, kritische Sichtweisen zu vermitteln und den Blick zu schärfen.

Als großes Resümee unseres Gespräches lässt sich vor allem festhalten: Am liebsten hätten die Ausstellungsmacher*innen nochmal mindestens genauso viel Zeit für Planung, Konzeption und Umsetzung, auch wenn ihnen klar ist, dass sie sich nach Ablauf dieser Frist wahrscheinlich wieder dasselbe wünschen würden. Aber sie bedauern gerade etwas, dass aufgrund des Drucks viele der tollen Ideen,  Spielereien hinten überfallen. „Am liebsten würde ich Zeit kaufen, zum Zusammensitzen und Rumspinnen. Über Sachen reden, die erstmal utopisch sind, aber aus denen man dann vielleicht noch was Cooles rausziehen kann!“

Ob sie Angst haben, nach Beendigung des Projektes durch die fertige Ausstellung zu gehen und sich zu denken: Hier hätten wir gerne ja eigentlich noch diese Idee umsetzen wollen und hier ist es auch noch viel zu unkonkret, hätten wir doch bloß noch dafür Zeit gehabt…?

„Ja, total. Ich habe Angst, dass Besucher*innen sagen könnten, dass die Ausstellung langweilig ist. Und dann ist es vor allem schade, an dem Produkt gemessen zu werden, statt an dem Prozess.“ Dass eine Ausstellung langweilig ist, kann passieren. Aber dass diese Ausstellung etwas Besonderes werden soll, steht fest. Vielleicht, so überlegen die Studentinnen, wollen sie mit diesem Themenfeld spielen. Ein Feedbackbogen am Ende der Ausstellung könnte Aufschluss geben:

„Liebe Besucher*innen. Auf einer Skala von 1-10. Wie langweilig fanden Sie diese Ausstellung?“