Dem Glück auf der Spur

Gepostet von in Ausstellungsbesuch

Während meines letzten Wien-Besuchs im März habe ich mir neben der „Star Wars – Identities“ Ausstellung im MAK auch die Ausstellung von Grafikdesigner Stefan Sagmeister, „The Happy Show“ , angesehen. Sagmeister ist gebürtiger Österreicher, studierte Grafik und Design an der Universität für angewandte Kunst Wien & lebt mittlerweile in New York.  Als Inhaber seiner eigenen Agentur gestaltete er unter anderem CD-Cover für zahlreiche namhafte Interpreten wie Lou Reed, die Rolling Stones und Aerosmith. 2013 wurde ihm das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich verliehen. Es ist bereits seine zweite Ausstellung im Österreichischen Museum für angewandte Kunst / Gegenwartskunst. Von der ästhetischen und (typo)grafischen Umsetzung seiner “Happy Show“ und Suche nach dem Glück, war ich sehr angetan.

Moderne Objekte und Positionen treffen auf schnörkeligen Prunkbau: Schon das MAK selbst ist ein wunderschönes Gebäude. In dem prächtigen Ringstraßenbau von Heinrich von Ferstel „werden Positionen aus angewandter Kunst und Gegenwartskunst, Architektur, Design und Neuen Medien präsentiert und die wechselseitigen Beziehungen dieser Bereiche laufend thematisiert“¹.  Die Ausstellung „The Happy Show“ führt die Besucher*innen auf eine Reise durch die Gedankenwelt des Designers und seine Versuche, das eigene Glück zu steigern. „Sagmeister verarbeitet seine Forschungen rund ums Glück zu hochgradig emotionalen Infografiken, faszinierenden Schlagzeilen, Drucken, amüsant-lehrreichen Videos, Filmen, Installationen sowie Skulpturen (…).“² Nicht nur die klassischen Ausstellungsräume des Hauses werden genutzt, sondern auch die Zwischenräume des Museums wie Gänge, Treppen und selbst Toiletten. Ein Ort, an dem man sich als Besucher*in gerne aufhält und treiben lassen kann.

In der Eingangshalle des MAKs steht bzw. sitzt ein riesiger Affe (ein weiterer hängt über das Geländer der sich im ersten Stock befindenden Galerie), der an eine Hüpfburg erinnert, böse aussieht und durch seine Größe das eigene Raumgefühl erstmal verändert. Die Affen halten Schilder ….“Everybody Always Thinks / They Are Right“ steht dort geschrieben. Ich gehe zum anderen Ende des Raumes und stehe vor einem gelben Objekt, das mich an einen Fahrkartenautomaten erinnert. Auf ihm steht geschrieben: „Diese Ausstellung wird sie nicht glücklicher machen (…).“ Ok, also sind erstmal low expectations angesagt. Ich drücke den Knopf am gelben Kasten und heraus kommt eine ebenfalls gelbe Karte auf der steht, dass ich meine Mutter anrufen und ihr von der Ausstellung erzählen soll. Die nächste Karte möchte, dass ich mich oben auf die Treppe stelle und meinen Lieblingssong so laut wie möglich singe. Ich muss lachen, lasse beide Aktivitäten jedoch unausgeübt. Aber immerhin, wenn ich in einer Ausstellung lachen kann, macht sie mich vielleicht doch glücklicher, wenn auch nur temporär.

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Im Untergeschoss des Hauses befindet sich eine Installation, vor der eine riesige Kinderschar anzutreffen ist und deren Eltern eher erfolglos versuchen, sie zum weiter gehen zu animieren. Ich erkenne durchsichtige Plastiksäulen, die von 1 bis 10 durchnummeriert und mit gelben Kugeln gefüllt sind. „Wie glücklich sind Sie?“, lautet die an der Wand stehende Frage. Die gelben Kugeln sind aus Kaugummi und an jeder Säule ist unten eine kleine Öffnung, durch die der Kaugummi entnommen werden kann. Glücksbarometer im Zuckerschock-Style. Ein Paradies für Kinder, für mich bei der Lautstärke eher nicht. Ich gehe schnell weiter und schaue mir Infografiken und Statistiken zur Glücksforschung an.

Die Person Sagmeister ist zentrales Element der Ausstellung und dies auf eine sehr charmante Art und Weise. Ironisch berichtet er via medialer Darstellungen von persönlichen Erlebnissen und untermauert seine subjektiven Erfahrungen mit Meditation, kognitiver Therapie und stimmungsändernden Medikamenten durch sozialwissenschaftliche Daten von Psycholog*innen und Historiker*innen.

Auch wenn die Ausstellung mich in ihrer gestalterischen Umsetzung positiv überrascht und angesprochen hat, waren die Inhalte, wenn auch grafisch sehr professionell, auch sehr vorhersehbar. Die diversen Statistiken zur Glücksforschung in den Bereichen Arbeit, Liebe und Freizeit liefern mir vielleicht neue Zahlen, aber auf einer übergeordneten Ebene keine neuen Erkenntnisse. So verlasse ich das MAK visuell befriedigt und für den Moment ein bisschen glücklicher. Gegenüber ist ja auch gleich ein traditionelles Kaffeehaus mit einer ebenfalls visuell sehr ansprechenden Kuchentheke.

Bis zum 25. September kann die Wanderausstellung „The Happy Show“ in Frankfurt, im Museum Angewandte Kunst besucht werden.

Interview mit Stefan Sagmeister

 

 

¹http://www.mak.at/mak_wien

²http://www.museumangewandtekunst.de/de/museum/ausstellungen/vorschau-stefan-sagmeister-the-happy-show.html