exhibition_ismus

Lager Friedland

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– Grenzdurchgangslager Friedland –
Heimkehrerstraße 18
37133 Friedland

Das ist also Adresse all derer, die das sogenannte „Tor der Freiheit“ passiert haben. Wie passend. Am 20. September 1945 wurde das Grenzdurchgangslager nahe Göttingen als erste Anlaufstelle für Flüchtlinge, Vertriebene und Heimkehrer eingerichtet. Hunderttausende kommen, viele zu Fuß, die meisten jedoch mit dem Zug. Der Bahnhof liegt nur 200m vom Lager entfernt, ein weiterer Grund, wieso dieser Ort ausgewählt wurde. Bis Ende 1945 schleusen die Briten eine halbe Millionen Menschen durch das Lager für die Weiterreise in verschiedene Regionen Deutschlands – vor allem entlassene Kriegsgefangene und Vertriebene. Weil es immer mehr werden, müssen die Kriegsgefangenen Hand anlegen und weitere Barracken errichten, heute bekannt als „Nissenhütten“. Jeder Neuankömmling bekommt zuerst einen Registrierschein. Nur mit einem solchen gibt es die Möglichkeit auf neue Papiere, die Voraussetzung sind, um neue Arbeit oder eine Wohnung zu finden.

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Wortklauberei

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Museen als Aufbewahrungs- und Ausstellungsorte der Dinge vermitteln besonders durch Objektarrangements und durch ihre spezifischen Visualisierungspraktiken ganz bestimmte Narrationen, Geschichten und Erzählungen. Und das tun sie meist mit Unterstützung von Texten. Einfluss nimmt natürlich auch die Raumsituation, das Licht, die Anordnung und vieles mehr. Inhalte und Botschafen werden durch das Zusammenspiel all dieser Mittel übertragen. Aber eben auch durch Betextungen – zuerst einmal egal in welchem Umfang – werden Deutungsangebote gemacht und Zuweisungen vorgenommen. (vgl. Muttenthaler/Wonisch, 2006). Damit Museumstexte für die Besucher*innen von Ausstellungen angenehm zu lesen sind und nicht alle nach den ersten paar Sätzen aufgeben und weiter wandern, müssen sie sowohl formal als auch inhaltlich ganz speziellen Anforderungen genügen. Wie so häufig im Museum, ist die eigentliche Arbeit – der Denk- und Planungsprozess – im Endprodukt kaum sichtbar.

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Dokumentationszentrum und Museum über die Migration in Deutschland – DOMID

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Reihe: Virtualität – Virtuelle Möglichkeitsräume

Migration ist kein neues Phänomen, dennoch ist es derzeit wieder so aktuell und brisant, wie vielleicht seit mehreren Jahrzehnten nicht. Das Bild, welches besonders die einschlägigen Medien von Migrationsprozessen zeichnen, ist immer abhängig von visuellen „Beweisen“. Wie in dem vorhergehenden Beitrag zum Thema visuelle Repräsentationen schon ausgeführt, prägen diese die gesellschaftlichen Vorstellungen von den verschiedensten Themengebieten. So verhält es sich auch mit Flucht, Migration und Vertreibung. Es gibt so etwas wie einen gesellschaftlichen Konsens bzw. ungeschriebene Meinungsbilder zu diesen Themengebieten. Schon  von  Kindesbeinen  an  begegnen  uns  Bilder  in  Schulbüchern,  in Zeitschriften und kleinen Leseheftchen und scheinen uns die Wahrheit über geschichtliche Ereignisse zu vermitteln. Durch die technischen Möglichkeiten, Fotos oder Videosequenzen produzieren zu können, wird uns suggeriert, dies seien Abbilder der  Wirklichkeit.

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Das virtuelle Migrationsmuseum

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Reihe: Virtualität – Virtuelle Möglichkeitsräume

Museen des 21. Jahrhunderts stehen vor großen Herausforderungen. Es reicht längst nicht mehr, Objekte zu arrangieren und einen Ausstellungstext herauszugeben. Schlagworte wie transkulturelle Vermittlung, unkonventionelle Präsentationsweisen, Neusichtung von Sammlungen; all das zirkuliert im Diskurs um museale Praktiken. Besonders durch das (fast überall verfügbare mobile) Internet hat sich das Kulturnutzungsverhalten der Gesellschaft(en) verändert. So sehen sich Museen mit der Tatsache konfrontiert, dass ihr zunehmend Interaktion und Partizipation gewöhntes Publikum die aktive, selbstgesteuerte und offen mitgestaltete Teilhabe an der Generierung von (kulturellem) Wissen einfordert. Gerade diese partizipatorischen Möglichkeiten und unvorhersehbare Verhaltensweisen eines sehr facettenreichen Publikums stellen die Interpretations- und Deutungshoheit von Museen infrage (vgl. Bocatius 2014: 30). In einem neuen Konzept, was aus dem Projekt DOMiD hervorgegangen ist, wird versucht, ein virtuelles Migrationsmuseum einzurichten.

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Visuelle Darstellungen und Repräsentationen

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Wir sehen sie. Wir schauen sie an und nehmen sie visuell wahr. Binnen Sekunden meinen wir sie zu verstehen und vergleichen sie mit dem uns zur Verfügung stehenden Bildrepertoire. Gefühle wie Zuwendung, Ablehnung, Freude, Angst oder Gleichgültigkeit durchströmen uns. Doch noch bevor wir länger darüber nachdenken können, folgt schon Neues, das von uns zu entschlüsseln ist.

Die Rede ist von visuellen Darstellungen, von Bildern, die uns fortwährend in unserem täglichen Leben begleiten und umgeben. Aber warum schreibe ich einen Beitrag über visuelle Darstellungen und dessen Repräsentationen? Visuelle Darstellungen sind ein fester Bestandteil unserer visuellen, hegemonialen, westlichen Kultur und begleiten uns unumgänglich in unserem Alltag.

Sigrid Schade und Silke Wenk (2011) beschreiben sie als „Befunde unseres Alltagslebens“ (Schade/Wenk 2011: 8). In dem Buch „Studien zur visuellen Kultur.

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Visualisierung von Migration und kultureller Vielfalt in Museen

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Reihe: Virtualität – Virtuelle Möglichkeitsräume

Migration und ihre Menschen sind in der deutschen Gesellschaft sichtbar geworden und fordern die Repräsentation von diversen Biografien und Lebensrealitäten auch zunehmend ein. Die Frage, wie Migration und kulturelle Vielfalt in der deutschen Museumslandschaft verankert werden können, ist noch nicht ausreichend beantwortet. Vielerorts hat sich die Darstellung von Migrationsgeschichte zwar in der musealen Alltagspraxis etabliert, jedoch scheint der die Gesellschaft durchdringende Stellenwert von Migration noch immer nicht mit dem Selbstverständnis von Museen als Ort des kollektiven Gedächtnisses und als Ort für Partizipation und Begegnung im Einklang zu stehen.

Wie können Migrationsprozesse visualisiert, wie Museen als Ort des kollektiven Gedächtnisses in die Verantwortung genommen werden? Die Auseinandersetzung der Museen mit Migration ist ein relativ neues Phänomen, das sich der Öffentlichkeit heute oftmals in der Verkürzung von Migration innerhalb der Ausstellungen über Migrationsgeschichte der sogenannten Gastarbeiter präsentiert.

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