Raum_Lösung

Gepostet von in Essay

Es ist vollbracht – der Raum steht fest. „Frei, unabhängig, Shabby- und Industrial Chic“, dass sind die Worte mit denen die Ausstellungsmacher*innen das Gebäude ihrer Wahl beschreiben. Doch bevor wir die Katze aus dem Sack lassen noch ein paar Hintergrundinformationen.

Die Frage nach dem Raum war von Anfang an zentral. Für die Ausstellungsmacherinnen stand fest: Sie wollen einen Raum nicht einfach bespielen, sondern sie wollen mit dem Raum agieren.

Die erste Beschäftigung mit dem Thema Raum fand noch ohne eine konkrete Auswahl von Objekten statt. Außer Frage stand, dass der Raum und seine Repräsentation mit dem Ausstellungskonzept und dessen dekonstruierendem Charakter in Bezug auf die Institution Museum einhergehen muss. Weitere entscheidende Faktoren waren die Größe des Raumes, Barrierefreiheit, Kosten, Mietzeitraum, technische Möglichkeiten und Eintrittspreise. Den Ausstellungsmacher*innen war es besonders wichtig, einem möglichst breiten Personenkreis den Zugang zu der Ausstellung zu ermöglichen.

Es wäre jedoch illusionär zu denken, dass die Ausstellungsmacherinnen aus einem Pool von Raummöglichkeiten hätten selektieren können. Aufgrund dessen wurde zu Beginn erst einmal jeder potenzielle Raum, der Mietpreis und der Zeitraum, in dem dieser zu Verfügung stehen würde, geprüft.

Wie bereits im vorangegangenem Beitrag erwähnt, haben sich die Studierenden trotz Mangel an Räumen und Ungewissheit, was für Räume noch zur Auswahl stehen würden, gegen den Raum in einem Museum entschieden: die an den Raum angebundene Institution ist zu dominant in die Repräsentation des Raumes eingebunden und hätte dem Grundgedanken und angestrebten Ziel des Ausstellungskonzeptes widersprochen. Zudem hätten Eintrittspreise und ein fehlender barrierefreier Zugang zu der Ausstellung Besucher*innen ausgeschlossen.

Also ging die Suche weiter. Auch die ‚Alte Kaiserliche Post’ stand zur Diskussion. Allerdings hätte dieser Raum nur bespielt werden und aufgrund von Denkmalschutz nicht mit ihm agiert werden können.

Den Raum, auf den die Entscheidung schließlich gefallen ist, beschreiben die Ausstellungsmacher*innen wie folgt: „Er ist ein offenes Kulturzentrum mit dem wir jetzt agieren können.“ Der Raum symbolisiert für sie: „Freiheit und vor allem Unabhängigkeit.“

Warum Freiheit und Unabhängigkeit? Der Raum von dem wir hier sprechen ist an keine Institution gebunden und geht daher eine perfekte Symbiose mit dem geplanten Ausstellungskonzept ein.

bild dach

Der Raum ist an das Bau-werk e.V. angeschlossen und befindet sich in Oldenburg am Pferdemarkt 8a. Kulturelle Veranstaltungen verschiedenster Genres können dort verwirklicht werden.

bild fenster

„Aufgrund dessen, dass das Gebäude an keine Institution gebunden ist, sind wir in der Gestaltung des Rahmprogrammes und des Raumes sehr frei! Das ist einfach toll und gibt uns kreative Freiheit“. Auch die Öffnungszeiten sind sehr flexibel und können je nach Bedürfnis bis 22.00 Uhr frei gestaltet werden.

Es sei eine emotionale Entscheidung gewesen. Schon bei der ersten Besichtigung und dem ersten Austausch mit den Verantwortlichen für die Bau_werkhalle herrschte relativ große Einigkeit darüber, dass die Studierenden dieses Gebäude für die Ausstellung nutzen möchten.

Allerdings können aus versicherungstechnischen Gründen diverse Objekte im Bau_werk nicht ausgestellt werden. Sehr empfindliche Objekte würden aufgrund des Raumklimas Schaden nehmen. Anhand dessen wird deutlich, dass die Auswahl dieses Raumes auf einer ganz pragmatischen Ebene große Auswirkungen auf die Konzeption der Ausstellung haben wird.

Der Autor Julien Dolenc (2014) verweist in Bezug auf Hans-Otto Hügel (2005) darauf, dass die multisensualistische körperliche Raumerfahrung des/der Rezipient*in bei dem Begehen einer Ausstellung den Raum und die Ausstellung in ihrer Wahrnehmung zu einem Erlebnisraum werden lassen (nach Dolenc 2014: 32).

Die Betonung, den Raum nicht nur bespielen, sondern mit ihm agieren zu wollen zeigt, dass die Ausstellungsmacher*innen die Wirkung des Raumes auf die Ausstellung in ihren konzeptionellen Prozess mit einbeziehen. Die bewusste Einbeziehung der Wechselwirkungen von Objekt und Raum – dessen Architektur und Interieur – ist eine herausfordernde Aufgabe für die Studierenden. Wie verändern die Objekte den Raum und umgekehrt, wie verändert der Raum die Wirkung der Objekte, sind dabei leitende Fragen. Die Repräsentation der Objekte und die Repräsentation des Raumes wird durch die gegenseitige Beeinflussung mit Beginn der Ausstellungskonzeption verändert.

Wir sind gespannt wie die Ausstellungsmacher*innen den Raum der Bau_werkhalle prägen und wie er Einfluss auf die Ausstellung haben wird.