exhibition_ismus

Überfordert und unterschätzt?

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Super spannende Teilnehmende. Aber irgendwie sind wir ein bisschen von der Hauptfrage abgewichen….

Hochschwellige Diskussion mit Hürden für diejenigen, die (noch) nicht im Museum arbeiten.

Die Frage war doch: MUSEEN- Überfordert und unterschätzt? Aber gesprochen wurde fast nur über Ausstellungen. Thema verfehlt?

Es wirkte wie ein „Karrieretag“, an dem die Teilnehmenden von ihrer Arbeit berichten, die Hauptfrage wurde kaum behandelt.

VERMITTLUNG war leider das Hauptthema

Das sind einige der Kommentare, die auf den Evaluationskärtchen der Veranstaltung „Museen – überfordert und unterschätzt?“ des Ausstellungsteams „Offen Gefragt!“ im Nachhinein zu finden waren. Insgesamt 26 Karten wurden abgegeben. 16 der Besucher*innen gaben an, zufrieden mit dem Verlauf des Abends gewesen zu sein, zehn hatten sich  mehr erhofft, zwölf Menschen fanden die Impulsstatements zu Beginn der Podiumsdiskussion schlecht, 15 fanden die Moderation ausbaufähig.

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Lager Friedland

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– Grenzdurchgangslager Friedland –
Heimkehrerstraße 18
37133 Friedland

Das ist also Adresse all derer, die das sogenannte „Tor der Freiheit“ passiert haben. Wie passend. Am 20. September 1945 wurde das Grenzdurchgangslager nahe Göttingen als erste Anlaufstelle für Flüchtlinge, Vertriebene und Heimkehrer eingerichtet. Hunderttausende kommen, viele zu Fuß, die meisten jedoch mit dem Zug. Der Bahnhof liegt nur 200m vom Lager entfernt, ein weiterer Grund, wieso dieser Ort ausgewählt wurde. Bis Ende 1945 schleusen die Briten eine halbe Millionen Menschen durch das Lager für die Weiterreise in verschiedene Regionen Deutschlands – vor allem entlassene Kriegsgefangene und Vertriebene. Weil es immer mehr werden, müssen die Kriegsgefangenen Hand anlegen und weitere Barracken errichten, heute bekannt als „Nissenhütten“. Jeder Neuankömmling bekommt zuerst einen Registrierschein. Nur mit einem solchen gibt es die Möglichkeit auf neue Papiere, die Voraussetzung sind, um neue Arbeit oder eine Wohnung zu finden.

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E A T

Gepostet von in Ausstellungsbesuch

Ort: Mailand, Design Museum Triennale

Das Jahr 2015 im September. Im Vergleich zu Deutschland ist es echt warm. T-Shirt-Wetter in Mailand, Expo-Stadt. Ein externer Standort ist das Design Museum. Großes Oberthema ist „Essen und Trinken“. In drei voneinander getrennt zu besuchenden Ausstellungsabfolgen gehen Besucher*innen auf Zeitreise. Die Objekte reichen von Ansammlungen von verschieden verziertem Essbesteck über Retro-Kühlschränke bis hin zu ganzen Häusern, gebaut aus Baguette-Stangen. Viele Ensembles ziehen die Aufmerksamkeit wie magisch auf sich, andere stoßen ab, widern an, verwundern, empören und erschrecken.

Welche chemischen Prozesse passieren eigentlich in Mund, Speiseröhre und Magen, um zerkaute Nahrungsmittel zu verdauen? Ein Film klärt auf. Ein kleiner Screen, eingebaut in einen Teller, der in ein Abendbrot-Szenario integriert ist, verfolgt den Weg einer köstlichen Spaghetti Bolognese von der Gabel bis in den Magen.

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Die Relevanz der Ausstellung: Interview Part 3

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In den letzten beiden Beiträgen Wie siehts aus beim Ausstellungsteam? Part 1 und Wie siehts aus beim Ausstellungsteam? Part 2 konntet ihr den Status Quo erfahren und die derzeitige Stimmungslage der Ausstellungsmacherinnen. Es ging nochmals um die Auswahl des Raumes und dessen Relevanz für das Vorhaben. In diesem Beitrag geht es konkreter um die Objektwahl auf der einen, ihre Einbindung in den Ausstellungsablauf und die möglichen Vermittlungsprogramme, die für Schulklassen oder andere Gruppen angeboten werden könnten auf der anderen Seite.

Fragt man die „Offen gefragt“- Macherinnen nach ihrem absoluten Traumobjekt, wenn sie bekommen könnten, was immer sie sich wünschen, so sind sie sich ziemlich einig: „Ein Original-Banksy“ sollte es dann sein, noch besser wäre das Ganze natürlich, wenn der geheimnisvolle Künstler einfach selbst vor Ort wäre und irgendwie den Ausstellungsraum auch als Aktionsraum nutzen würde.

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Buchstabentapete : Von der Schwierigkeit, Ausstellungstexte zu schreiben

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Ort: Kunsthalle Bremen, Schloss Oldenburg

In dem Beitrag Wortklauberei  habe ich euch bereits einen kleinen Einblick in die Regeln für Museumstexte gegeben. Nun geht es in die Praxis und ich möchte euch an aktuellen Beispielen zeigen, wie häufig die Realität in Museen aussieht. Zur Erinnerung: Worauf kommt es bei den Begleittexten zu Ausstellungen am meisten an?

  • Als erstes: Texte werden in Museen meistens nur als Begleiterscheinung oder Zusatzinformation in Kauf genommen, selten wirklich mit Begeisterung gelesen
  • Überschriften müssen interessant gestaltet und deutlich visuell hervorgehoben sein, sodass sie die Aufmerksamkeit der Besucher*innen auf sich ziehen, Texttafeln müssen groß genug sein, sodass auch mehrere Besucher*innen gleichzeitig lesen können
  • Es muss eine klare Hierarchie in den Textebenen vorhanden sein, welche auch visuell schnell ekennbar ist
  • Die Sprache der Texte muss sich in die Kommunikation der Besucher*innen einfügen können und sollte einen persönlichen Stil der Autor*innen nicht preisgeben
  • Texte sollten kurz und prägnant sein, die Zeilen nicht zu lang konzipiert werden und – wenn möglich – pro Zeile eine Sinneinheit abgedruckt werden

Ich werde in diesem Beitrag Fotos von Betextungen zeigen, nicht immer werden diese lesbar sein, sondern sollen teilweise nur einen Raumeindruck oder ein Lesegefühl vermitteln.

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Wortklauberei

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Museen als Aufbewahrungs- und Ausstellungsorte der Dinge vermitteln besonders durch Objektarrangements und durch ihre spezifischen Visualisierungspraktiken ganz bestimmte Narrationen, Geschichten und Erzählungen. Und das tun sie meist mit Unterstützung von Texten. Einfluss nimmt natürlich auch die Raumsituation, das Licht, die Anordnung und vieles mehr. Inhalte und Botschafen werden durch das Zusammenspiel all dieser Mittel übertragen. Aber eben auch durch Betextungen – zuerst einmal egal in welchem Umfang – werden Deutungsangebote gemacht und Zuweisungen vorgenommen. (vgl. Muttenthaler/Wonisch, 2006). Damit Museumstexte für die Besucher*innen von Ausstellungen angenehm zu lesen sind und nicht alle nach den ersten paar Sätzen aufgeben und weiter wandern, müssen sie sowohl formal als auch inhaltlich ganz speziellen Anforderungen genügen. Wie so häufig im Museum, ist die eigentliche Arbeit – der Denk- und Planungsprozess – im Endprodukt kaum sichtbar.

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Nachgefragt: Lieblingswerke

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Als wir durch die Kunsthalle schlenderten, fiel mir vor allem die große Anzahl an Mitarbeiter*innen und Aufsichten auf. In fast jedem Raum wurden wir freundlich begrüßt, überall stand jemand, den man etwas fragen konnte. Wir waren lange im Museum. Betrat ich später denselben Raum nochmals, konnte es sein, dass die Aufsicht zwar gewandert war, sich aber noch immer in ihm befand. Schlagartig wurde mir klar: Das sind die wahren Expert*innen der Ausstellungen! Natürlich, die Kurator*innen hatten sie geplant, sie durchdacht und auch die Räume, je nach Möglichkeit, gestaltet. Aber wer hält sich wirklich lange – und damit meine ich mehr als ein paar Stunden –  in ihnen auf? Wer kennt wahrscheinlich jeden Strich, jede Unebenheit und jede Spiegelung in den Bildern und Vitrinen?

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Themenmonat Dezember: Kunsthalle Bremen

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Dokumentationszentrum und Museum über die Migration in Deutschland – DOMID

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Reihe: Virtualität – Virtuelle Möglichkeitsräume

Migration ist kein neues Phänomen, dennoch ist es derzeit wieder so aktuell und brisant, wie vielleicht seit mehreren Jahrzehnten nicht. Das Bild, welches besonders die einschlägigen Medien von Migrationsprozessen zeichnen, ist immer abhängig von visuellen „Beweisen“. Wie in dem vorhergehenden Beitrag zum Thema visuelle Repräsentationen schon ausgeführt, prägen diese die gesellschaftlichen Vorstellungen von den verschiedensten Themengebieten. So verhält es sich auch mit Flucht, Migration und Vertreibung. Es gibt so etwas wie einen gesellschaftlichen Konsens bzw. ungeschriebene Meinungsbilder zu diesen Themengebieten. Schon  von  Kindesbeinen  an  begegnen  uns  Bilder  in  Schulbüchern,  in Zeitschriften und kleinen Leseheftchen und scheinen uns die Wahrheit über geschichtliche Ereignisse zu vermitteln. Durch die technischen Möglichkeiten, Fotos oder Videosequenzen produzieren zu können, wird uns suggeriert, dies seien Abbilder der  Wirklichkeit.

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Das virtuelle Migrationsmuseum

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Reihe: Virtualität – Virtuelle Möglichkeitsräume

Museen des 21. Jahrhunderts stehen vor großen Herausforderungen. Es reicht längst nicht mehr, Objekte zu arrangieren und einen Ausstellungstext herauszugeben. Schlagworte wie transkulturelle Vermittlung, unkonventionelle Präsentationsweisen, Neusichtung von Sammlungen; all das zirkuliert im Diskurs um museale Praktiken. Besonders durch das (fast überall verfügbare mobile) Internet hat sich das Kulturnutzungsverhalten der Gesellschaft(en) verändert. So sehen sich Museen mit der Tatsache konfrontiert, dass ihr zunehmend Interaktion und Partizipation gewöhntes Publikum die aktive, selbstgesteuerte und offen mitgestaltete Teilhabe an der Generierung von (kulturellem) Wissen einfordert. Gerade diese partizipatorischen Möglichkeiten und unvorhersehbare Verhaltensweisen eines sehr facettenreichen Publikums stellen die Interpretations- und Deutungshoheit von Museen infrage (vgl. Bocatius 2014: 30). In einem neuen Konzept, was aus dem Projekt DOMiD hervorgegangen ist, wird versucht, ein virtuelles Migrationsmuseum einzurichten.

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